Beiträge für das Schlagwort "Rückschau"

Was verbindet Kupfer Dr. mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?
Zunächst möchte ich Sie zur Themenwahl und Umsetzungsstrategie herzlich beglückwünschen! Wie über Funk sollte eine intensive Auswertung mit Diskussion auch im Fernsehen zu guter Sendezeit angestrebt werden. Mein Beitrag (08.02.2009): • Auch wir, meine Frau (Jahrgang 38 und 41), unsere 5 Kinder sowie Verwandte in den alten Bundesländern sind froh, die Wiedervereinigung durch Volkes Zorn und umsichtiges Handeln aller Verantwortlichen in Ost wie West vor 20 Jahren friedlich erlebt zu haben. Damit gehören wir „Alten“ zu der glücklichen Generation, die zwar den Kriegsausgang und schwierigen Anfang erlebt haben, aber bisher von Krieg, Arbeitslosigkeit und Inflation verschont geblieben sind (Ich höre heute noch meinen Vater davor warnen!). • Es ist äußerst wertvoll, nun in alle Himmelrichtungen reisen zu können, zumal wir dank der Rentenregelung uns das auch leisten können. Schade, dass viele Bürger der alten Bundesländer die Schönheiten des „Ostens“ kaum oder nicht erleben konnten oder wollten – es hat sich gelohnt, auch dorthin zu reisen. • Unsere Kinder haben eine solide Ausbildung, einschließlich der humanistischen, in der DDR genießen können, von der sie auch heute noch profitieren. Leider hat der „West-Arbeitsplatz-Sog“ sie in westliche oder nördliche Richtungen wandern lassen; der Osten blutet (wie vor der Mauer) zunehmend aus; die in Norwegen niedergelassene Familie wird – unterschiedliche Gesundheitssysteme! – Deutschland wohl nicht mehr als sesshafte Heimat wiedererobern. • Als Hochschullehrer habe ich besondere eigene Erfahrungen in Ost und West sammeln können. Meine Studenten und ich bedauerten zutiefst, dass wir im politisch geteilten Deutschland nicht mehr voneinander wissen wollten, durften oder medienpolitisch auf falsche Fährten und Eindrücke geführt wurden. Dieses Manko wirkt bis heute nach, obwohl ich versuche, anhand der Literatur (z.B. Altkanzler Schmidt, Peter Scholl-Latour) die Welt und ihre politisch-, religiös-, wirtschaftlich- und macht-bestimmten Auseinandersetzungen und Interessen besser verstehen zu lernen. • Mein größter Vorwurf an die in Ost und West politisch verantwortlich Handelnden in den 80er Jahren besteht darin, dass Niemand ein zur umfassenden Diskussion und Abgleichung von Interessen anregendes Konzept aus der Schublade ziehen konnte, mit der der Prozess der Wiedervereinigung wirtschaftlich wie gesellschaftspolitisch verträglicher und zukunftsorientierter hätte erfolgen können. Der „Runde Tisch“ war unerfahren, die SPD wurde nicht gehört und das Großkapital lenkte unter Ausnutzung der Schwächen jedes Menschen (Beispiel: neue Versicherungsverträge im Osten) den Prozess in eine Richtung, die sich zwar „Demokratie“ nennt, aber tiefe Enttäuschungen hinterlässt (Beispiel: Wahlbeteiligung, Neonazis, Linksorientierung). • Zum Schluss: Mit meinen Klassenkameraden aus Pasewalk, die wir vor kurzem das „Goldene Abitur“ feierten, ist die Herausgabe von „Lebenswegen in Ost und West – Trümmer, Mauerbau und Wiedervereinigung“ in Vorbereitung. Die Hälfte etwa ging damals (1957) in den Westen, die andere Hälfte blieb bis zur Wiedervereinigung in der DDR. Spannende Geschichten, die unsere regelmäßigen Klassentreffen immer erneut beleben! Evtl. könnte dieser Hinweis für Ihr schönes Projekt nützlich sein.
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