Beiträge für das Schlagwort "Neugier"

Wie erlebt Meinhard Schröder momentan die deutsche Einheit?
Meine persönliche deutsche Einheit ist fortgeschritten. Ich bin von meinen ehemaligen Klassenkameraden zum Klassentreffen eingeladen worden, obwohl ich wegen Flucht das Abitur nicht mehr gemeinsam mit ihnen ablegen konnte. - Stück für Stück habe ich fast die gesamte Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns kennengelernt (ein wenig war mir aus den Fünfziger Jahren vertraut), das Elbtal, einige geschichtsträchtige Gegenden Sachsens, Oberhof und mit dem Fahrrad die Umgebung Berlins. - 2008 hatte ich zum ersten Mal zwei Lesungen mit meinen unterhaltsamen Kurzgeschichten auf "Ost-Territorium" - es gab in der Reaktion der ZuhörerInnen keinen nennenswerten Unterschied zum Westen. - Länger braucht es wohl, um den ehemaligen Ostteil Berlins in meinen Kopf zu integrieren, für Mitte und Prenzlauer Berg, Treptow und Köpenick ist mir das ein wenig gelungen. Meine älteste Tochter fuhr schon bald nach dem Mauerfall mit dem Fahrrad quer durch die Stadt, während ich viele Jahre mit dem Auto immer noch die Gegend ums Brandenburger Tor umfuhr - hauptsächlich wegen der vielen Baustellen in Mitte. Jetzt drucke ich mir die Verbindungen in entlegene Gegenden (0st-)Berlins mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Computer aus - kein Abenteuer mehr. - Neue Freunde aus dem Osten sind dazu gekommen. Alte haben sich rar gemacht. Es hat sich normalisiert. Ich muss eine alte Freundschaft nicht mehr mauerbedingt pflegen, eine Freundschaft, diel ich unter normalen Umständen nicht eingegangen wäre. Dabei war es der Freund aus Ost-Berlin, der die Kontakte einschlafen ließ. - Aber als ehemaliger DDR-Bewohner habe ich einen anderen Zugang zu den Menschen. Allein schon deshalb, weil ich weiß, was eine BGL, eine LPG, die GST waren. Oft habe ich den Eindruck, dass die meisten Westler keine Ahnung vom Osten haben. Aber sie haben auch kein Interesse, es zu erfahren. Das ist traurig. Es ist schon oft gesagt worden: Nur wenn wir uns unsere Geschichten gegenseitig erzählen und uns zuhören, können wir zueinander finden. Erst das ist Respekt, Ernstnehmen. - Oft höre ich über "Westdeutsche", die eine unglaubliche Ignoranz gegenüber dem Osten an den Tag legen. Dabei kann man sehr viel über sich selbst erfahren, wenn man sich einmal der Frage stellt: Wie hättest du dich unter den gesellschaftlichen Bedingungen der DDR verhalten? Jugendweihe? Wehrdienst? Stasi? Nahezu täglich geforderte Rezitation der Linie des "Neuen Deutschlands"?

Was verbindet Karlasonne mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?
Es war ein Donnerstag und ich habe wie so oft kein Fernsehen geschaut und bin ziemlich früh schlafen gegangen. Am nächsten Tag habe ich nicht schlecht gestaunt. Seitdem ist nichts mehr wie vorher. Beeindruckend ist für mich, dass die Maueröffnung so sehr friedlich verlaufen ist. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.
Projekt Newsletter
Bleiben Sie auf dem Laufenden!

