Beiträge für das Schlagwort "bereichernde Normalität"

Wie erlebt Helmut momentan die deutsche Einheit?
Ich erlebe sie als bereichernde Normalität. Dabei fällt auf, dass unterschiedliche Generationen sie unterschiedlich aufnehmen. Während sie für junge Menschen heute einfach gegeben ist - Ausspruch unserer Kinder, als wir noch nach einem Jahr beim Überfahren der einstigen innerdeutschen Grenze immer wieder ungläubig sagten "Jetzt fahren wir über die Grenze", in schon maulendem Ton: "Das sagt ihr uns jedes Mal!" - bringen ältere Menschen immer ihre eigenen Erfahrungen sehr stark mit ein. Wer mit den Verhältnissen in der DDR gut zurecht kam, neigt u.U. auch zu Nostalgie - was einige politische Kräfte durchaus fördern -, wer seine Probleme mit dem Staat DDR hatte, wird differenzierter herangehen und den Wert der gewonnenen Freiheit in den Mittelpunkt stellen. Und spätestens bei der Frage, ob jemand die Ostmark zurückwolle, wird sich wieder ein einheitlicheres Bild abzeichnen... Wir haben zu wenig voneinander gewusst. Wir erzählen uns noch immer zu wenig Geschichten aus unserem Leben hier und dort. Es gab reiches Leben hier und dort. Unsere Länder heute bereichern einander. Jeder sollte sich auf den Weg machen, diesen Reichtum zu entdecken. Das sehe ich als Aufgabe für heute und morgen, denn auch so ein fragiles Gebilde wie Heimat will immer wieder erlebt und erfahren sein, um es eben als Heimat annehmen zu können. Ohne sie aber werden wir sein wie Bäume, die ihre Wurzeln verloren haben: entwurzelt. Insofern: wir befinden uns auf einem stetigen Weg. Und gerade unsere Unterschiede (der Landschaften, Menschen, Industrie und Kultur) machen dabei unseren Reichtum aus.
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