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Wie erlebt A.W. momentan die deutsche Einheit?
Aus meiner Sicht sind die Menschen in Ost und West schon sehr weit gekommen mit der inneren Einheit. Natürlich wird mal hier und da gefrozzelt. Aber das ist eben so unter den Menschen, wenn sie zu wenig voneinander wissen. Wenn Menschen aus Ost und West zusammen arbeiten, wohnen, spielen dann ist die Herkunft nebensächlich. Dann sind persönliche Qualitäten entscheidend für die gegenseitige Wertschätzung.
Viele Male haben die Menschen in Deutschland schon bewiesen, dass sie sich mehrheitlich als Deutsche fühlen und nicht als Ost- oder Westdeutsche. Beispiele dafür sind die Oderflut, die Fußball-WM und anderes mehr. In vielen Unternehmen arbeiten Ingenieure und Facharbeiter aus allen Bundesländern zusammen und sind gemeinsam stolz, wenn sie Besonderes erreicht haben.
Vieles von dem, was Ost- und Westdeutsche scheinbar trennt, ist von unbedachten Journalisten übersteigert und überspitzt dargestellt. Erfolgsgeschichten sind im Journalismus eben nicht so spannend.
Wirtschaftlich hat der Osten sicher noch einen großen Abstand, aber er holt auf. In den zwanzig Jahren wurde eine hervorragende, moderne Infrastruktur geschaffen. Autobahnen, Bahnlinien, Schiffskanäle wurden gebaut, historische Altstädte saniert, Wohnraum modernisiert und vieles mehr.
Fast jeder Altbundesbürger hat schon Städte wie Potsdam, Dresden, Weimar, Rostock, Erfurt, Leipzig oder Magdeburg besucht, Ferien in Mecklenburg oder auf Rügen gemacht und kaum einer hat das Gefühl, einen Horrortrip gemacht zu haben. Und billig ist woanders. Aber trotzdem kommen fast alle mit positiven Eindrücken wieder.
Die Einheit ist da – und das ist gut so.

Wann ist für Zacha die deutsche Einheit erfolgreich vollendet?
Die deutsche Einheit ist vollendet, wenn die Bürger nicht mehr über Ost und West nachdenken als sie es über Nord und Süd, Berg- und Flachland oder männlich und weiblich tun. Unterschiede wird es immer geben, das wesentliche ist das es keine Unvereinbarkeiten mehr gibt und man sich der vielen vielen Gemeinsamkeiten bewusst ist. Ein wesentlicher Punkt für mich ist, dass die politischen Erben der DDR und insb. der SED sich endlich eindeutig vom System der DDR distanzieren. Da dies für diese Gruppe jedoch faktisch die Unhaltbarkeit ihres gesamten politischen Programms bedeuten würde, sehe ich dort schwarz und hoffe lediglich, dass sie sich als eine politische Übergangserscheinung erweisen werden. Bis die ehemaligen Länder der DDR wirtschaftlich dem Westen gleichgezogen haben, wird es weiterhin dauern, da die Zeiten des breiten Aufschwungs in Westeuropa lange vorbei sind und es so sehr lange dauern wird, bis es "rüber" diffundiert. Gerade in den heutigen Zeiten, in denen Protektionismus wieder populär wird um sich gegen die unangenehmen Folgen der Globalisierung zu schützen (z.B. durch die Ausgestaltung des Entsendegesetzes), wird es nur wenige wirklich neue Industrien geben, und noch weniger werden sich im Strukturschwachen Osten ansiedeln. Daher muss dieser Protektionismus stoppen um langfristig eine Entwicklung zu ermöglichen. Der Wirtschaftsraum Deutschland hört halt nicht an der Grenze nach Polen auf, sondern ist eng damit verwoben, ein plötzlicher Unterschied in den Wirtschaftsbedingungen hier- und dortseits kann nicht zu Gutem führen!
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