Beiträge für das Schlagwort "Chancen"

Wie erlebt Wolfgang Tiefensee momentan die deutsche Einheit?
Es ist inzwischen vieles erreicht worden. Aber wir dürfen nicht verschweigen, dass auch noch vieles zu tun bleibt. Gemessen an der großen Begeisterung 1989/90, verbunden mit übergroßen Erwartungen, Hoffnungen und Träumen, befinden wir uns seit geraumer Zeit sozusagen in den Mühen der Ebene. Es sind Alltag und Normalität eingekehrt mit den nicht verwunderlichen kleineren und größeren Zwistigkeiten.
In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung kam es darauf an, dass Ost und West zu einem Land zusammenwachsen. Inzwischen geht es darum, die Chancen als wiedervereinigtes Land gemeinsam zu erkennen und zu nutzen. Aus dem Zusammenwachsen wird ein zusammen wachsen: Ost und West bringen sich ein für ein starkes und gastfreundliches Deutschland, jeder mit seinen Erfahrungen und Vorzügen.

Was verbindet A.W. mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?
Am 9.11.1989 habe ich die Pressekonferenz mit Schabowski live am Fernseher verfolgt. Ich war sprachlos, ungläubig und mir schlug das Herz bis zum Hals. Das war die Freiheit, die die Menschen in der DDR so lange entbehrt hatten.
Mit meiner jungen Familie begann ich die nun erreichbaren Orte jenseits der Grenze zu entdecken. Kassel, Coburg, Helmstedt, Wolfsburg, die hessische Rhön und vieles mehr. Die Entdeckungen lohnten die teilweise langen Wartezeiten an den hastig in den Grenzzaun geschnittenen Übergängen. Die Menschen reichten anfangs mit ehrlicher Freude Plastiktüten mit Obst in das Wagenfenster. Es war der Startschuss für die wiedergewonnene deutsche Einheit.
Bald war bei uns die Idee geboren, dass ich mir im Westen eine Arbeit suche. Am Tag der Währungsunion begann mein Arbeitsvertrag in Baden-Württemberg. Es war schon auch ein Druck. Denn inzwischen gab es Stammtischmeinungen, nach denen die Ossis nicht arbeiten können. Mit der Zeit habe ich diese Vorurteile widerlegen können. Es kommt immer auf den Einzelnen an, wie er sich in seine Umgebung einleben kann.
So war die deutsche Einheit für mich auch der Start in eine völlig neue Arbeitswelt mit größeren Chancen.
Anerkennung in der Nachbarschaft bekommt man durch Fleiß beim Häusle bauen und durch freundliche, offene Art. Das ist überall so.

Wie erlebt Karlasonne momentan die deutsche Einheit?
Die deutsche Einheit hat in den letzten fast 20 Jahren eine sehr stürmische Entwicklung genommen. Sowohl in Stadt und Land ist sehr viel Geld in die Hand genommen worden, um zu entwickeln, sanieren, verschönern und verbessern. Die Menschen, die ich kenne, - auch meine Familie - haben viele Chancen erkannt, genutzt, weitergegeben. Der Umlernprozess des Einzelnen dreht sich immer noch um die Wahrnehmung des individuellen Rechts, was mit einem Umdenkprozess verbunden ist. Jeder kann sein Recht nur wahrnehmen, wenn er es kennt. Das gilt auch für Chancen und Angebote. Mir gefällt sehr, dass viele junge Leute ins Ausland gehen, Erfahrungen, Weltgewandtheit, Sprachen, Kulturen lernen. Wir befinden uns in einem Europa.
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