Beiträge für das Schlagwort "Verständnis"

Bild von Barbarossa

Wann ist für Barbarossa die deutsche Einheit erfolgreich vollendet?

Über diese Frage habe ich lange nachgedacht.
Es wurde und wird ja viel davon geredet, daß die innere Einheit Deutschlands erst noch vollendet werden muß. Aber wie drückt sich diese "innere Einheit" aus? Woran erkennt man sie?

- gleiche Löhne? Es gibt auch in den "alten Bundesländern" keinen einheitlichen Lohn-Tarif.

- die hohe Arbeitslosigkeit? Sicher, aber es gibt auch in den alten Bundesländern Gegnen mit hoher Arbeitlosigkeit, wenn auch nicht so flächendeckend, wie in den "neuen" Bundesländern.

Ich habe diese Fragen auch in meinem noch sehr jungen, aber doch recht anspruchsvollen Politik-Forum ( http://www.politik-diskurs.bplaced.net/projekt-zur-deutschen-einheit-t22... ), in dem ich Moderator bin, gestellt und bin letztlich zu dem Schluß gekommen, daß die innere Spaltung Deutschlands inzwischen eigentlich nur noch eine Sache des Denkens der Bürger in Ost- und Westdeutschlands ist und somit von deren innerer Einstellung eines Jeden abhängt.

Wer nie aufhört, in Ost/West-Kategorien zu denken, bei dem wird auch die innere Einheit Deutschlands nie ankommen.

Bild von Justine

Wann ist für Justine die deutsche Einheit erfolgreich vollendet?

Die Einheit ist erfolgreich vollendet, nur die Menschen haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenssituationen und der derzeitigen Weltwirtschaftkrise unterschiedliche Probleme. Zu tun gibt es in allen Bundesländern mit unterschiedlichem Gewicht vor allem auf dem Bildungssektor sehr viel. Auch wünschte ich mir oft mehr Verständnis der ehemaligen Westdeutschen, was es für die Menschen bedeutet hat, in der DDR aufzuwachsen und zu leben, und dass damit oft Traumen verbunden sind, die wir gar nicht nachvollziehen können. Und ich glaube, viele die es im vereinten Deutschland schwer haben, haben einfach die Vergangenheit noch nicht wirklich verarbeitet.

Bild von das darf doch wirklich nicht wahr sein

Was verbindet das darf doch wirklich nicht wahr sein mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Ich lebte damals in Süd-Deutschland. Wir verfolgten die Ereignisse mit Angst und Sorge um die Menschen in der DDR, weil wir befürchteten, dass das Militär oder die Polizei zur Waffe gegen die aufgebrachte Bevölkerung greifen würde. Ich werde das Gefühl der Freude, das wir empfanden, nie vergessen, als die Menschen sich nach der Maueröffnung in den Armen lagen. Wir haben damals für sie gezittert und vor Freude geweint. Wenn Ost-Deutsche heute behaupten, von den West-Deutschen missachtet worden zu sein, bitte ich sie, meinen Bericht vorurteilsfrei und in Erinnerung an die wirklichen Ereignisse, zu lesen: Am Sonntag nach der Maueröfnung, im November 1989, besuchte ich den Gottesdienst unserer Gemeinde. Nach dem Gottesdienst meinte der Dekan, dass in der Turnhalle der Stadt mehr als 150 Menschen (er sprach von Brüdern und Schwestern) aus der DDR auf Feldbetten untergebracht seien. Er bat uns, zu bedenken, ob wir nicht, nach unseren Möglichkeiten, Menschen in unsere Familien aufnehmen könnten. Wenige Tage danach war die Halle geräumt, alle hatten Aufnahme gefunden. Auch mein Mann und ich hatten eine 3-köpfige Familie zu uns geholt. Und damit begann eine sehr schmerzliche Erfahrung: Die Eltern rauchten ohne Ende in Gegenwart ihres 3 Monate alten Babys, missachteten jegliche Gastfreundschaft, indem sie sich benahmen wie die Vandalen. Als die Menschen in dem Stadtteil, in dem wir lebten, erfuhren, dass bei uns eine junge Familie aus der DDR lebte, machten sie spontan Sammelaktionen, bei denen ein Kühlschrank, Elektroherd, einige Möbel, aber auch gute! Kleidungsstücke für sie abgegeben wurden. Der junge Familienvater erlaubte sich auszusuchen, was seine Frau tragen dürfe und was nicht. Nach einigen Wochen, die junge Frau war wirklich eine ganz liebe, klagte sie mir ihr Leid, dass ihr Mann schon in vierter Ehe mit ihr verheiratet, und seine Kinder aus den früherern Ehen früh verstorben seien. Er selbst sei schon wegen Diebstahl und Raubes ind der DDR inhaftiert gewesen. Nach seinen Schilderungen war er in Ost-Berlin bei der Bahn beschäftigt gewesen. Sich selbst um einen Arbeitsplatz zu bemühen, war er nicht in der Lage. Ich nahm also Kontakt mit der Bahn auf, er stellte sich in meinem Beisein bei einem Rangierbahnhof vor. Nachdem er von der für ihn anfallenden Arbeit gehört hatte, lehnte ab: " In Berlin kamen höchsten 3 Züge pro Tag an, wir hatten Zeit zum Karten spielen oder zum Friseur zu gehen." Die Personen, die damals aus der DDR in unsere Region kamen, erhielten von der Gemeinde ein zinsloses Darlehen zur Gründung eines neuen Hausstandes. Dieser Herr hat sich von diesem Geld einen gebrauchten Audi 100 gekauft und ist, statt sich um seine Familie zu kümmern, damit nach Berlin gefahren. Da er keine Fahrpraxis besaß, Personen, die damals aus der DDR gekommen waren und bei der Zulassungsstelle angaben, ihre Fahrerlaubnis auf der Flucht verloren zu haben, bekamen, ohne Prüfung! einen Ersatz ausgestellt, hat er den Wagen auch gleich durch Unfall zuschanden gefahren. Nachdem ich erfahren hatte, dass ich mir einen Klein-Kriminellen ins Haus geholt hatte, bemühte ich mich um eine eigene Wohnung für diese Familie. Sie bekam die leer stehende Hausmeister-Wohnung einer Schule. Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Sammlungen(wie auch schon beschrieben) und Geschenken. Meine Erfahrung war keine Ausnahme, alle mir bekannten Personen, die damals ihr Haus oder ihre Wohnung für die Menschen, für die wir echtes Mitgefühl empfanden, geöffnet hatten, erlebten ähnliche Probleme. Für die Zeit davor lassen Sie mich bitte noch sagen, dass ich regelmäßig, über mindestens 25 Jahre hinweg, Pakete mir nur durch Briefkontakt bekannte Menschen in Magdeburg und Umgebung, geschickt habe. Und glauben Sie mir bitte, ich habe keine Erbsen oder andere Hülsenfrüchte oder gar abgetragene Kleidung geschickt, wie man es heute immer wieder von den Ost-Deutschen zu hören bekommt. Ich lebe seit 6 Jahren in Ost-Deutschland. Bin ohne Vorurteile hierher gekommen, habe viele liebe Menschen kennen gelernt und bin dennoch oft verzweifelt, über die Engstirnigkeit derer, die heute noch behaupten, dass die DDR nach ihrer Meinung ruhig hätte bleiben können. Sie leben ausnahmslos in schicken Häusern, haben ihr geregeltes Einkommen, fahren einen Mittelklasse-Wagen und jammern. AUF HÖCHSTEM NIVEAU! Und wie kann ich, wie eine der "Schreiberinnen" in diesem Forum behauptete, beurteilen, wie marode der Westen ist, wenn ich gerade mal zu einer Familienfeier dort war? Als Abschluss: Wir haben um die Menschen in der DDR gezittert und gelitten, wir haben uns riesig für sie gefreut, als sie frei waren. Und wenn ich, wie heute im Nordkurier, lesen muss, dass eine junge Frau einen arroganten Wessi kennen gelernt hatte, frage ich mich: " Hätten Sie, liebe Ost-Deutsche sich ähnlich gastfreundlich verhalten, wie es 1989 für uns selbstverständlich war? Und fragen Sie sich doch bitte, wer arroganter ist: Der, der gibt oder der, der alles bekommt und dann noch unzufrieden ist. Meine Meinung: wenn wir die Deutsche Einheit wollen, schaffen wir es nur gemeinsam!

Bild von generation88

Was verbindet generation88 mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Da ich damals erst ein Jahr alt war, gehöre ich zu der Generation, die diesen Tag nicht bewusst miterlebt hat. Dennoch verbindet mich mein Interesse für Geschichte damit - einerseits lese ich gerne darüber, andererseits frage ich Zeitzeugen wie meine Eltern und Onkels/Tanten darüber aus. Leider sind das alles eben nur "Quellen", die eigene Meinungen, Perspektiven und Absichten haben.
Ich hätte diesen besonderen Tag gerne selbst miterlebt, um mir dadurch ein eigenes Bild von dem Ereignis machen zu können.

Bild von Barbarossa

Was verbindet Barbarossa mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Für mich war das einer der Tage, die man im Leben nie vergißt. Ich war damals 22 Jahre alt und hatte Nachtschicht und so habe ich alles live miterlebt. Bevor ich zur Arbeit ging, habe ich zuerst im ZDF die Heute-Nachrichten gesehen und anschließend im Osten die "Aktuelle Kamera" (das habe ich in der Wendezeit täglich gemacht). Dort habe ich auch die legendäre Pressekonferenz gesehen, in der Günter Schabowski das neue Ausreisegesetz vorlas. Ich selbst habe es zu diesem Zeitpunkt zwar zur Kenntnis genommen, habe es aber zu diesem Zeitpunkt nicht auf mich selbst bezogen - ich dachte zunächst, daß damit diejenigen gemeint waren, die teilweise seit Jahren einen Ausreiseantrag zu laufen hatten. Für diese Leute freute ich mich zu dem Zeitpunkt. Ich ging dann zur Arbeit. Als ich mit der Arbeit fast fertig war - kurz nach Mitternacht - kam ein älterer Kollege angelaufen und meinte: "Du, ich hör gerade Radio - die rennen alle auf dem Ku´damm rum!" Völlig fassungslos und ungläubig ging ich mit und wir hörten die restliche Nacht Radio. Als ich nach Hause kam, wußten natürlich auch meine Eltern schon davon. ich ging erst mal ein paar Stunden schlafen und meine Mutter besorgte die Visa für uns alle. Mein Onkel - der Bruder meiner Mutter - wohnte seit 1986 in Westberlin (er ist gegangen worden), ihn besuchten wir und ich blieb das ganze Wochenende dort (der 10. 11. ´89 war ein Freitag). Er zeigte mir vieles in Westberlin, was ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Die Emotionen die wir alle hatten, kann man eigentlich kaum beschreiben, man muß ja dabei berücksichtigen, daß wir bis dahin damit nicht gerechnet hatten und dachten, daß wir erst als Rentner in den Westen kommen würden. Selbst das neue, erst kurz davor erlassene Reisegesetz, brachte kaum Verbesserungen. So lief ich durch Westberlin teils immernoch fassungslos, neugierig, glücklich, aber einmal auch verärgert über eine Frau mittleren Alters, die sich bereits am 10. 11. 89 über die vollen S-Bahnen aufregte und meinte, sie hoffe, die Mauer wird bald wieder zu gemacht (typische "Insulaner-Mentalität" - scheint es bis heute dort zu geben, waren aber längst nicht alle so). In den folgenden Monaten fuhr ich noch oft nach Westberlin, Ausweis und Reisepaß waren nachher voll mit Visa. Überhaupt war die Wendezeit für mich eine der schönsten, interessantesten, ja, spannensten Zeiten in meinem Leben, in der ich auch politisch aktiv wurde und im Februar 1990 in den "Demokratischen Aufbruch" eintrat. Ängste meinerseits ? Null. Eine gewisse Unsicherheit war schon vorhanden, das weiß ich noch. Eine Frage geisterte immer herum: Bleibt die Grenze jetzt offen oder haben "Die" (die SED-Regierung) das nur gemacht, um die Menschen mal kurz den Westen anschauen zu lassen um sie dann wieder zu schließen. Ich habe jedoch immer die Meinung vertreten, daß die Grenze offen bleibt und hab immer gesagt - dann gibts doch gleich wieder Demos ohne Ende, wir sind doch gut drauf - wußte aber auch nicht so recht, warum "sie" diese bestgesicherteste Grenze der Welt, an der man noch kurz davor erschossen werden konnte nun plötzlich offen steht. Niemand traute "denen" so recht. Wie sich einige Zeit später herausstellte, war das Mißtrauen auch berechtigt, denn diese "Maueröffnung" war so gar nicht geplant gewesen, es war "nur" ein Mißverständnis innerhalb des Politbüros.

Bild von Moderation Thiele

Ost-West-Begegnungen

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Beschreibung: 
Zwei Menschen auf einem U-Bahnhof in Berlin. Sie sind in politisch unterschiedlichen Systemen geboren und aufgewachsen: in Ost- bzw. Westdeutschland. Bei Begegnungen im Alltag entwickeln sich Gespräche, durch das gegenseitige Kennen lernen findet eine Annäherung statt, das Verständnis füreinander wächst.
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