Beiträge für das Schlagwort "gesamtdeutsch"

Bild von Barbarossa

Wann ist für Barbarossa die deutsche Einheit erfolgreich vollendet?

Über diese Frage habe ich lange nachgedacht.
Es wurde und wird ja viel davon geredet, daß die innere Einheit Deutschlands erst noch vollendet werden muß. Aber wie drückt sich diese "innere Einheit" aus? Woran erkennt man sie?

- gleiche Löhne? Es gibt auch in den "alten Bundesländern" keinen einheitlichen Lohn-Tarif.

- die hohe Arbeitslosigkeit? Sicher, aber es gibt auch in den alten Bundesländern Gegnen mit hoher Arbeitlosigkeit, wenn auch nicht so flächendeckend, wie in den "neuen" Bundesländern.

Ich habe diese Fragen auch in meinem noch sehr jungen, aber doch recht anspruchsvollen Politik-Forum ( http://www.politik-diskurs.bplaced.net/projekt-zur-deutschen-einheit-t22... ), in dem ich Moderator bin, gestellt und bin letztlich zu dem Schluß gekommen, daß die innere Spaltung Deutschlands inzwischen eigentlich nur noch eine Sache des Denkens der Bürger in Ost- und Westdeutschlands ist und somit von deren innerer Einstellung eines Jeden abhängt.

Wer nie aufhört, in Ost/West-Kategorien zu denken, bei dem wird auch die innere Einheit Deutschlands nie ankommen.

Bild von materockt

Wie erlebt materockt momentan die deutsche Einheit?

Ich bin persönlich sehr dankbar für die deutsche Einheit, sind meine Möglichkeiten dadurch doch vervielfacht worden. In der Gesamtempfindung scheint mir die Einheit noch lange nicht abgeschlossen.

Identifikation
Von einer Deutschen Identität zu sprechen ist schwieriger geworden, da durch die Größenzunahme und die Wiedervereinigung so vieler unterschiedlicher deutscher Völker eine deutsche Identität wieder mehr ein Konstrukt ist, als tatsächlich eine Beschreibung für alle Deutschen. Die jahrhundertelange Vielstaaterei hat viele unterschiedliche Kulturräume geschaffen, das ist durch das Hinzukommen der Sachsen, Mecklenburger, Brandenburger etc. in einen Gesamtdeutschland nur noch deutlicher und stärker geworden.
Viel eher fühle ich mich als Europäer.

Verfestigung
Durch die Schwierigkeit eine gesamtdeutsche Identität zu bilden, suchen die Menschen wieder mehr nach regionalen Wurzeln. Die Folge ist, dass sich bestehende Meinungen über "andere" Deutsche verfestigen und diese „anderen“ unbekannter werden. Mir kommt es so vor als würde der „Ostdeutsche“ als Archetyp geformt werden, weil man ihn nicht kennt, über den dann neue Vorurteile entstehen. In den vorrangig immer noch westdeutsch produzierten Medien erlebe ich oft, dass von den Ostdeutschen gesprochen wird als seien sie nicht integriert. Wo denn integriert? In der „alten“ BRD? Diese Grundhaltung, dass die westdeutsche Gesellschaft, die ist in die sich die Menschen (Ostdeutsche und andere Immigranten) integrieren müssen, halte ich für falsch. Auch wenn es politisch so erzwungen wurde. Statistiken werden immer noch getrennt aufgearbeitet, dass mag in der genaueren Analyse interessant und berechtigt sein, verfestigen aber auch, dass die Deutschen immer noch durch eine innerdeutsche Grenze getrennt sind.

Anerkennung
Ich empfinde die derzeitige gesamtdeutsche Haltung zur Wiedervereinigung so, dass der Normalzustand westdeutscher Lebensweise in Ostdeutschland eingeführt werden soll, bis die perfekte Anpassung an den Normalzustand erreicht ist. Dabei fehlt es mir in der gesamtdeutschen Wahrnehmung an Anerkennung für das was die Ostdeutschen selbst geleistet haben. Eine innerdeutsche friedliche Revolution, die deutsch- und europapolitisch so viele Wellen geschlagen hat, die in einem undemokratischen Staat ausgeführt wurde, bei der auch viele Menschen hätten sterben können. Das muss den Ostdeutschen anerkannt werden! Und es wird zu wenig gemacht. Ein Beispiel ist der Feiertag der Wiedervereinigung. Gefeiert wird der Tag an dem die politischen Termine gefestigt waren, staatstragend abgehalten, viel zu wenig emotional. Der Tag des Mauerfalls, herbeigeführt von Millionen friedlicher Demonstranten, emotional freudig aufgeladen, wäre in meinen Augen der viel bessere Tag die Wiedervereinigung zu würdigen!
Die westdeutschen Bürger haben nicht diese lebensumwerfenden Veränderungen mitgemacht, oder sogar selbst herbeigeführt wie die Ostdeutschen. Quasi nur ausgesessen. Der Tag der Wiedervereinigung drückt genau dies aus, vom Staat oktroyiert. Für mich persönlich ist der Tag des Mauerfalls viel bedeutender, da sich an diesem Tag viel mehr das akkumuliert hat, was aus den Menschen selbst kam.

Fazit
So gesehen empfinde ich die deutsche Einheit als enttäuschend, wenig gleichwertig. Es hätte vieles anders gemacht werden sollen. So hätte z.B. auch die Wiedervereinigung kein Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der BRD sein dürfen. Vielmehr hätten die jahrzehntelangen Versprechen eingelöst werden müssen, bei einer Wiedervereinigung eine neue gesamtdeutsche Verfassung aufzusetzen, die dann von einem gesamtdeutschen Volk in Abstimmung angenommen hätte werden müssen. Das hätte einen beginnenden Einstieg in eine gleichwertige Wahrnehmung aller Deutschen bedeutet. Deutschland ist noch keine 20 Jahre alt, und die „alte“ BRD hätte besser mit der DDR zusammen untergehen sollen.

Bild von generation88

Wann ist für generation88 die deutsche Einheit erfolgreich vollendet?

Ich denke, die deutsche Einheit ist erst dann vollendet, wenn es eine Generation gibt, die ihren Köpfen kein aktuell geteiltes Deutschland kennt - sie macht keinen Unterschied zwischen "Wessi" und "Ossi", zieht fürs Studium oder die Ausbildung in die neuen Bundesländer, etc.
Dafür muss sich noch eine Menge tun. Einmal muss sich die Präsentation der neuen Bundesländern stark verbessern. Dann muss Deutschland in allen Bereichen gleich sein, überall sollten gleiche Bedingungen herrschen, sodass keine Grenzen mehr zu spüren sind. Für diese Aufgaben benötigt es noch viel Zeit, viel Arbeit und auch viel Geld.
Vielleicht muss für einen Wechsel der Mentalitäten, um es sehr drastisch zu sagen, die Generation der Zeitzeugen verstorben sein, damit deren Meinungen nicht mehr das Bild von Ost/West oder aber Süd/Nord beeinflussen.

Bild von Moderation Thiele

Generationswechsel und Geschichte

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Jugendliche bei einer Exkursion über den Potsdamer Platz in Berlin: Für sie ist die Teilung Deutschlands Geschichte. Ein Generationswechsel hat stattgefunden. Die Ereignisse und Erfahrungen des ausgehenden 20. Jahrhundert werden ihnen durch die Erzählungen der Familie, über die Geschichtsbücher, Museen und Schulen weitergegeben.
Bild von Moderation Thiele

Fußball verbindet

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In Sachen Fußballbegeisterung gibt es keine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen. Reisende und Touristen tummeln sich auf dem Berliner Hauptbahnhof. Der Bau dieses Verkehrsknotenpunktes in der Nähe des Regierungsviertels ist eines der spektakulärsten Architekturprojekte im vereinten Berlin. Im Mai 2006, pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006, wurde Europas größter Umsteigebahnhof fertig gestellt.
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