Beiträge für das Schlagwort "friedliche Revolution"

Bild von Wolfgang Tiefensee

Was verbindet Wolfgang Tiefensee mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Der 9. November gilt als ein Schicksalstag in der deutschen Geschichte. Das ist bereits bei vielen Gelegenheiten besprochen und gewürdigt worden. Das letzte große Ereignis, das diesen Tag so geschichtsträchtig gemacht hat, war die vom Volk erzwungene Öffnung der Grenzen der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 9. November 1989. Was zunächst nur wie eine Panne im administrativen Handeln aussah, war in Wirklichkeit der Höhepunkt und Sieg einer friedlichen Revolution.

In Leipzig haben wir, wie Menschen in vielen Orten der DDR im Herbst 1989, auf nicht genehmigten Demonstrationen unser Recht durchgesetzt. Von Angesicht zu Angesicht mit den „Organen“ des Polizeistaates haben wir Freiheit und Demokratie eingefordert. Das Machtmonopol von SED und Blockparteien wollten wir nicht länger akzeptieren.
Für mich persönlich ist der 9. November 1989 ein Glücksfall in der Geschichte und der Tag, an dem der Traum von Freiheit und Demokratie Wirklichkeit wurde. Ein Traum, der so stark war, dass er die Mauer samt ihrem ideologischen Fundament zum Einsturz brachte. Er hat uns zu Akteuren und Zeitzeugen eines Aktes der Befreiung, der Emanzipation und des Aufbruchs gemacht. Die Erinnerung daran ist  eine große Motivation, unsere Demokratie zu schützen und zu gestalten.

Bild von dorisreim

Wie erlebt dorisreim momentan die deutsche Einheit?

Es kommt mir vor, als wäre es gestern. Es war so umwerfend und ein so wunderbares Gemeinschaftsgefühl. Heute gilt es zu erinnern, dass wir das nicht vergessen, diese friedliche Revolution. Darauf dürfen wir mal so richtig stolz sein.

Bild von materockt

Wie erlebt materockt momentan die deutsche Einheit?

Ich bin persönlich sehr dankbar für die deutsche Einheit, sind meine Möglichkeiten dadurch doch vervielfacht worden. In der Gesamtempfindung scheint mir die Einheit noch lange nicht abgeschlossen.

Identifikation
Von einer Deutschen Identität zu sprechen ist schwieriger geworden, da durch die Größenzunahme und die Wiedervereinigung so vieler unterschiedlicher deutscher Völker eine deutsche Identität wieder mehr ein Konstrukt ist, als tatsächlich eine Beschreibung für alle Deutschen. Die jahrhundertelange Vielstaaterei hat viele unterschiedliche Kulturräume geschaffen, das ist durch das Hinzukommen der Sachsen, Mecklenburger, Brandenburger etc. in einen Gesamtdeutschland nur noch deutlicher und stärker geworden.
Viel eher fühle ich mich als Europäer.

Verfestigung
Durch die Schwierigkeit eine gesamtdeutsche Identität zu bilden, suchen die Menschen wieder mehr nach regionalen Wurzeln. Die Folge ist, dass sich bestehende Meinungen über "andere" Deutsche verfestigen und diese „anderen“ unbekannter werden. Mir kommt es so vor als würde der „Ostdeutsche“ als Archetyp geformt werden, weil man ihn nicht kennt, über den dann neue Vorurteile entstehen. In den vorrangig immer noch westdeutsch produzierten Medien erlebe ich oft, dass von den Ostdeutschen gesprochen wird als seien sie nicht integriert. Wo denn integriert? In der „alten“ BRD? Diese Grundhaltung, dass die westdeutsche Gesellschaft, die ist in die sich die Menschen (Ostdeutsche und andere Immigranten) integrieren müssen, halte ich für falsch. Auch wenn es politisch so erzwungen wurde. Statistiken werden immer noch getrennt aufgearbeitet, dass mag in der genaueren Analyse interessant und berechtigt sein, verfestigen aber auch, dass die Deutschen immer noch durch eine innerdeutsche Grenze getrennt sind.

Anerkennung
Ich empfinde die derzeitige gesamtdeutsche Haltung zur Wiedervereinigung so, dass der Normalzustand westdeutscher Lebensweise in Ostdeutschland eingeführt werden soll, bis die perfekte Anpassung an den Normalzustand erreicht ist. Dabei fehlt es mir in der gesamtdeutschen Wahrnehmung an Anerkennung für das was die Ostdeutschen selbst geleistet haben. Eine innerdeutsche friedliche Revolution, die deutsch- und europapolitisch so viele Wellen geschlagen hat, die in einem undemokratischen Staat ausgeführt wurde, bei der auch viele Menschen hätten sterben können. Das muss den Ostdeutschen anerkannt werden! Und es wird zu wenig gemacht. Ein Beispiel ist der Feiertag der Wiedervereinigung. Gefeiert wird der Tag an dem die politischen Termine gefestigt waren, staatstragend abgehalten, viel zu wenig emotional. Der Tag des Mauerfalls, herbeigeführt von Millionen friedlicher Demonstranten, emotional freudig aufgeladen, wäre in meinen Augen der viel bessere Tag die Wiedervereinigung zu würdigen!
Die westdeutschen Bürger haben nicht diese lebensumwerfenden Veränderungen mitgemacht, oder sogar selbst herbeigeführt wie die Ostdeutschen. Quasi nur ausgesessen. Der Tag der Wiedervereinigung drückt genau dies aus, vom Staat oktroyiert. Für mich persönlich ist der Tag des Mauerfalls viel bedeutender, da sich an diesem Tag viel mehr das akkumuliert hat, was aus den Menschen selbst kam.

Fazit
So gesehen empfinde ich die deutsche Einheit als enttäuschend, wenig gleichwertig. Es hätte vieles anders gemacht werden sollen. So hätte z.B. auch die Wiedervereinigung kein Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der BRD sein dürfen. Vielmehr hätten die jahrzehntelangen Versprechen eingelöst werden müssen, bei einer Wiedervereinigung eine neue gesamtdeutsche Verfassung aufzusetzen, die dann von einem gesamtdeutschen Volk in Abstimmung angenommen hätte werden müssen. Das hätte einen beginnenden Einstieg in eine gleichwertige Wahrnehmung aller Deutschen bedeutet. Deutschland ist noch keine 20 Jahre alt, und die „alte“ BRD hätte besser mit der DDR zusammen untergehen sollen.

Bild von Sandra Seidel

Was verbindet Sandra Seidel mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Ein Stück Weltgeschichte wurde in meiner Heimat geschrieben und meine Großmutter hatte einen Schlaganfall.

Bild von butcherakis

Was verbindet butcherakis mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Dieser Tag gehört für mich zu den emotionalsten Tagen meines Lebens. Die Bilder dieses Tages berühren mich immer wieder (ich bin im Westen aufgewachsen). Dies ist für mich der eigentliche "Tag der deutschen Einheit", weil sich hier die Herzen verbunden haben. Der 3. Oktober 1990 kann da nicht mithalten. Die friedliche Revolultion des Herbst 89 ist großartige Leistung der Ostdeutschen und ich habe Respekt vor allen, die damals bereit waren, dieses Risiko einzugehen.

Bild von Barbarossa

Was verbindet Barbarossa mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Für mich war das einer der Tage, die man im Leben nie vergißt. Ich war damals 22 Jahre alt und hatte Nachtschicht und so habe ich alles live miterlebt. Bevor ich zur Arbeit ging, habe ich zuerst im ZDF die Heute-Nachrichten gesehen und anschließend im Osten die "Aktuelle Kamera" (das habe ich in der Wendezeit täglich gemacht). Dort habe ich auch die legendäre Pressekonferenz gesehen, in der Günter Schabowski das neue Ausreisegesetz vorlas. Ich selbst habe es zu diesem Zeitpunkt zwar zur Kenntnis genommen, habe es aber zu diesem Zeitpunkt nicht auf mich selbst bezogen - ich dachte zunächst, daß damit diejenigen gemeint waren, die teilweise seit Jahren einen Ausreiseantrag zu laufen hatten. Für diese Leute freute ich mich zu dem Zeitpunkt. Ich ging dann zur Arbeit. Als ich mit der Arbeit fast fertig war - kurz nach Mitternacht - kam ein älterer Kollege angelaufen und meinte: "Du, ich hör gerade Radio - die rennen alle auf dem Ku´damm rum!" Völlig fassungslos und ungläubig ging ich mit und wir hörten die restliche Nacht Radio. Als ich nach Hause kam, wußten natürlich auch meine Eltern schon davon. ich ging erst mal ein paar Stunden schlafen und meine Mutter besorgte die Visa für uns alle. Mein Onkel - der Bruder meiner Mutter - wohnte seit 1986 in Westberlin (er ist gegangen worden), ihn besuchten wir und ich blieb das ganze Wochenende dort (der 10. 11. ´89 war ein Freitag). Er zeigte mir vieles in Westberlin, was ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Die Emotionen die wir alle hatten, kann man eigentlich kaum beschreiben, man muß ja dabei berücksichtigen, daß wir bis dahin damit nicht gerechnet hatten und dachten, daß wir erst als Rentner in den Westen kommen würden. Selbst das neue, erst kurz davor erlassene Reisegesetz, brachte kaum Verbesserungen. So lief ich durch Westberlin teils immernoch fassungslos, neugierig, glücklich, aber einmal auch verärgert über eine Frau mittleren Alters, die sich bereits am 10. 11. 89 über die vollen S-Bahnen aufregte und meinte, sie hoffe, die Mauer wird bald wieder zu gemacht (typische "Insulaner-Mentalität" - scheint es bis heute dort zu geben, waren aber längst nicht alle so). In den folgenden Monaten fuhr ich noch oft nach Westberlin, Ausweis und Reisepaß waren nachher voll mit Visa. Überhaupt war die Wendezeit für mich eine der schönsten, interessantesten, ja, spannensten Zeiten in meinem Leben, in der ich auch politisch aktiv wurde und im Februar 1990 in den "Demokratischen Aufbruch" eintrat. Ängste meinerseits ? Null. Eine gewisse Unsicherheit war schon vorhanden, das weiß ich noch. Eine Frage geisterte immer herum: Bleibt die Grenze jetzt offen oder haben "Die" (die SED-Regierung) das nur gemacht, um die Menschen mal kurz den Westen anschauen zu lassen um sie dann wieder zu schließen. Ich habe jedoch immer die Meinung vertreten, daß die Grenze offen bleibt und hab immer gesagt - dann gibts doch gleich wieder Demos ohne Ende, wir sind doch gut drauf - wußte aber auch nicht so recht, warum "sie" diese bestgesicherteste Grenze der Welt, an der man noch kurz davor erschossen werden konnte nun plötzlich offen steht. Niemand traute "denen" so recht. Wie sich einige Zeit später herausstellte, war das Mißtrauen auch berechtigt, denn diese "Maueröffnung" war so gar nicht geplant gewesen, es war "nur" ein Mißverständnis innerhalb des Politbüros.

Bild von Moderation Riedel

Deutsche Wiedervereinigung am Brandenburger Tor

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Beschreibung: 
Nach der Friedlichen Revolution war ursprünglich der Tag des Mauerfalls – der 9. November – als Nationalfeiertag im Gespräch. Wegen der Datumsgleichheit mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 sowie der Reichspogromnacht von 1938 erschien dieses Datum jedoch ungeeignet. Deshalb wurde der 3. Oktober ausgewählt, der Tag, an dem die deutsche Einheit vollzogen wurde. Dies ist in Artikel 2 des Einigungsvertrages festgelegt, wodurch der Tag der Deutschen Einheit der einzige gesetzliche Feiertag der Bundesrepublik Deutschland ist, der durch Bundesrecht festgelegt ist. Alle anderen Feiertage sind Ländersache.
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