Was verbindet wossi mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

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Die Erinnerung an eine Mischung aus ungläubigem Staunen und Zweifeln, ob es sich nicht nur um eine Falschmeldung handelte, möglicherweise um regimekritische Bürger aus der Reserve zu locken (ich war zu diesem Zeitpunkt als Reservist zur NVA eingezogen). Schade daran, dass der 9. November bei solchen Diskussionen so stark im Mittelpunkt steht, finde ich, dass er zu sehr auf eine administrative Panne des SED-Regimes fokussiert und den Blick ein wenig weg führt von den Initiatoren des friedlichen Wandels, den vielen kleinen
Protesten und Verweigerungen gegen das Unterdrückungsregime im Einzelnen, in kleinen Kreisen, später in vernetzten Menschenrechtsgruppen, in den Kirchen und natürlich auf den Demonstrationen in Leipzig und in anderen Städten der DDR. Wenn ich mir ansehe, wie die Nachfolgeorganisation von SED und Stasi-Schergen sich heute als demokratische Partei ausgibt und schon wieder in diversen Bundesländern regiert, wird mir speiübel. Eine Organisation, die an der innerdeutschen Grenze und in den Zellen der Staatssicherheit für hunderte Morde und Selbstmorde verantwortlich ist, hat aus meiner Sicht auf dem Wahlzettel einer Demokratie nichts verloren, Umbenennung hin oder her. (Das gilt selbstverständlich auch für Extremisten am anderen Ende des politischen Spektrums.)

Leider hat die Rechtspraxis "Schwamm drüber und nach vorn schauen" in der Bundesrepublik eine lange Tradition. Während die inhaltliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus, initiiert durch die westlichen Alliierten, eine demokratische Grundhaltung in weiten Teilen der Bevölkerung herausbildete und die Grundlagen einer wirklich demokratischen Gesellschaft schuf, wurde die Abrechnung mit den Schuldigen schon damals „vernachlässigt“. So wurden viele - von den Alliierten im Rahmen der Entnazifizierung aus den Ämtern entfernten aktiven Nazis - durch die Lockerung der Entnazifizierungsbestimmungen in den fünfziger Jahren wieder zurückgeholt. Dass sich derartige „Nachlässigkeiten“ im Umgang mit den Verantwortlichen der beiden totalitären deutschen Regime des 20. Jahrhunderts negativ auf die Moral auswirken, liegt meiner Ansicht nach auf der Hand. Was soll den verantwortlichen Bankern, die mit Gier und wider besseres Wissen ein ganzes Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben, passieren, wenn nicht mal die Verantwortlichen und Unterstützer totalitärer Regime konsequent zur Rechenschaft gezogen wurden.