Begegnungen mit wachen Sinnen und Würde – mehr als 300 Beiträge in 3 Wochen

Bild von Moderation Thiele

Nach 26 Tagen ist nun bereits die letzte Woche des Online-Dialoges eingeläutet und noch 6 Tage Zeit, seine Meinung zu äußern. Bisher haben sich mehr als 200 Personen in über 300 Beiträgen zu Wort gemeldet und dabei ein sehr differenziertes Bild auf die deutsche Einheit entwickelt, dass wir letzte Woche auf der Geschichtsmesse in Suhl verschiedenen Institutionen, zum Beispiel der Bundesstiftung Aufarbeitung oder der Bundeszentrale für politische Bildung präsentierten.

 

GESTERN: Was verbinden Sie mit dem 9. November 1989 – dem Tag der Maueröffnung?
Immer wieder wird die friedliche Revolution als sehr positives Gefühl beschrieben, aber es werden auch die damit verbundenen Unsicherheiten thematisiert. »Nach wie vor erinnere ich mich lebhaft an die kaum fassbare wunderbare Nachricht vom friedlichen Mauerfall [...]«. Zitat MichaelT  besserwessi berichtet: »Das ist eigentlich ein Tag voller positiver aber dennoch unsicherer Emotionen. Keiner hat eine blasse Ahnung, was auf ihn zukommt. [...]«

»[...] Inwieweit dieses Erleben für das spätere Verstehen, bzw. die Sichtweise auf das aktuelle System, und damit die Beantwortung der Frage nach dem "Heute" bedeutsam sein könnte, wäre interessant zu diskutieren. [...]«  (Zitat K. Najasek)

 

HEUTE: Wie erleben Sie momentan die deutsche Einheit? Wo befinden wir uns jetzt?
Begreift man die deutsche Einheit als fortlaufenden Prozess, so ist die Geschichte beider deutschen Staaten ein Teil der gemeinsamen Gegenwart. Letztlich ringen wir um die Deutungshoheit über die Vergangenheit und Zukunft der deutschen Einheit. Matthias Kölbel sprich vom „Nachbau West“ und Siebziger findet, dass es versäumt wurde, eine gemeinsame Verfassungsdebatte zu führen: »[...] die versäumte Gelegenheit der Verfassungsdebatte zur Gründung des neuen deutschen Staates kann nicht nachgeholt werden. Für eine Demokratie ist aber das Selbstbewusstsein der BürgerInnen wichtig. [...]«

»[...] Die Erwartungen waren sehr groß aber die Marktwirtschaft ist alles andere als sozial. Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit und dass der der viel besitzt immer noch dazubekommt. Wer wenig hat, muss täglich draufzahlen. [...]« Zitat Maria Sibylle

Für den Prozess der Verständigung ist es wichtig, Ungerechtigkeiten aufzuarbeiten (vgl. FrauWossi). Die Begegnung auf Augenhöhe ist Voraussetzung für das Zulassen und Akzeptieren der Unterschiede, der Verzicht auf Vorurteile und Klischees und das Entdecken der Gemeinsamkeiten ebenso notwendig wie Verständnis für regionale Unterschiede. »[...] Für das alles hilft aus meiner Sicht am besten das Kennenlernen mit wachen Sinnen und das Aufeinanderzugehen, immer aufs Neue und jeder an seinem Platz.« (Zitat Helmut)

»[...] Die Einheit ist nicht so sehr eine Frage gleicher materieller, sondern geistiger Werte.« (Zitat angelus) »[...] Gleiche Würde ist das Ziel. [...]« (Zitat JFahrwald)

 

MORGEN: Wann ist die deutsche Einheit erfolgreich beendet? Was ist noch zu tun?
Für mep ist die deutsche Einheit vollzogen, »wenn: - die Begriffe "Ost" und "West" genauso verwendet werden wie "Süd" und "Nord" (und wir uns als Regionen in Europa verstehen), - es keine rein orts- bzw. ost-bezogenen Abschläge für Lohn/Gehalt, Renten bzw. Sozialleistungen mehr gibt, - die Erhebung des Solidarzuschlags beendet ist oder zumindest dessen Erlöse nach regionaler Bedürftigkeit sowohl in Ost wie West verwendet werden. [...]«

»[...] Vielleicht ist die Frage, ob "wir" nun endlich "eine Einheit" sind, nicht wirklich bedeutsam - vielmehr könnte sich gefragt werden, was wir "Neues" sind und werden können.« (Zitat K. Najasek)

Am einfachsten scheint die Teilung Deutschlands überwunden zu werden in persönlichen Gesprächen, Freundschaften und Beziehungen. Hammerich beschreibt: »[...] Als Ost-West-Paar ist im Mikrokosmos das Miteinander so alltäglich wie wahrscheinlich überall im Land]«. Zitat M.Mathan: »Ich bin sehr froh, daß die Mauer damals gefallen ist, sonst hätte ich nie meine Frau kennengelernt und liebengelernt!!!!!!!!!!!! [...]  Am Anfang hatte natürlich jeder seine individuelle Meinung, aber was zusammengehört, das wächst auch zusammen! Davon sollte ganz Deutschland lernen, viel zuhören und miteinander reden! «

»[...] A little less conservation, a little more action, please! Wir brauchen keine neuen Reden zur Deutschen Einheit, wir brauchen nicht nur Geld, wir brauchen Verständnis und Respekt voreinander.[...]« Zitat xblaumann

 

Nur noch 6 Tage läuft das Forschungsprojekt – Machen Sie Freunde oder Bekannte darauf aufmerksam:
www.unsere-deutsche-einheit.de

 

Schauen Sie sich das Video des Nachrichtensenders France24 an, der Teilnehmende des Online-Dialoges interviewte:
www.unsere-deutsche-einheit.de/information

 

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Freundliche Grüße,

Daniela Riedel und Franziska Thiele
(Online-Moderation)