Was verbindet Maria Sibylle mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung?

Bild von Maria Sibylle

Leider muss ich mit "vorgestern" beginnen. Denn ich habe den Mauerbau als ein schlimmes einschneidendes Erlebnis in Erinnerung. Die Besuche zu den Verwandten in Süddeutschland waren vorbei und es gab für meine Eltern nicht mehr die Chance zu gehen. Man war dem politischen System ausgeliefert. Diese Konsequenz hat mich in jeder Hinsicht geprägt und ich habe unter der "Volksbildung" am meisten gelitten. Den Tag der Maueröffnung habe ich entsprechend gefeiert. Da ich bei den Berliner Demonstrationen dabei war und fürchterliche Dinge sehen musste, war mein Kanal DDR längst voll und übergelaufen! Die Stasiakteneinsicht war eine kleine Genugtuung, wenn auch für mich schreckliche Internierungspläne vorlagen. Es war eine historische Chance einem Geheimdienst auf die Finger zu sehen und das Übel der Bespitzelung schwarz auf weiß zu lesen. Den Freiraum Kirche möchte ich nicht unerwähnt lassen, denn ohne diese - leider auch stasidurchsetzte Insel - wäre manches unerträglich gewesen. Der Mauerfall war und ist ein Glücksfall für mich und ich weine der DDR keine Träne nach. Jedenfalls nicht wie sie war, vielleicht wie sie hätte sein können... Ich habe das Beste ohne mich verbiegen zu müssen aus dieser Zeit gemacht, auch ohne Jugendweihe und FDJ. Meine Kindheit und Jugend war schön, denn es gab immer Gleichgesinnte und persönliche Freiheit deren Spielraum in meinem Elternhaus ausgereizt wurde.