Nach einer Woche fast 200 Wahrnehmungen zur deutschen Einheit

Dank der mittlerweile 150 Teilnehmer sind die Wahrnehmungen zur Deutschen Einheit in fast 200 interessanten Beiträgen mit kleineren und größeren Erinnerungen festgehalten. Die gesamte Bandbreite zur deutschen Einheit zeigt sich mit gegensätzlichen Gefühlen und verbindenden Erlebnissen, von glücklich bis nüchtern, von dankbar bis kritisch, von ernüchtert bis beeindruckt.
Bis zum 9. Februar 2009 können Sie weiterhin mitmachen und Freunde oder Bekannte dazu einladen, damit der Dialog noch mehr Menschen erreicht! Stellen Sie auch Fotos ein, die entweder die damaligen Geschehnisse oder die aktuelle Lage der deutschen Einheit beleuchten:
www.unsere-deutsche-einheit.de/bilder
GESTERN: Was verbinden Sie mit dem 9. November 1989 – dem Tag der Maueröffnung?
Mit dem 9. November 1989 - dem Tag der Maueröffnung verbinden die Teilnehmenden überwiegend starke Emotionen: Von "Glück", "Dankbarkeit" „Bewunderung für das friedliche Überwinden“ und „Euphorie“ ist die Rede. »Ich war glücklich und gerührt. Wir, meine Frau und ich, sind nach Wanfried gefahren, um dieses Wunder an der Grenze anzusehen [...]«. Zitat Klara 1910
Aber in einigen Beiträgen wird schon die anschließende Ernüchterung thematisiert. Truhe teilt mit: »[...] Mir war klar das dies für mich nur eins bedeutet höhere Steuern und Nachteile. Wie konnte man glauben zwei Länder einfach so vereinigen zu können, die einen völlig anderen kulturellen, sozialen und vor allem wirtschaftlichen Hintergrund hatten.« »[...] Schade finde ich nur dass es die bisslang letzte Einigkeit einer so großen Gemeinschaft war, um für eine gerechte Sache zu kämpfen und so lange weiter zu machen bis man das Ziel erreicht [...]«. Zitat Christian33
HEUTE: Wie erleben Sie momentan die deutsche Einheit? Wo befinden wir uns jetzt?
Darüber, wie weit die Einheit schon fortgeschritten ist, gibt es ein gemischtes Bild. Von gelebter "Normalität" bis "nicht vorhanden" ist die Wahrnehmung sehr unterschiedlich. Betrachtet man es in einem größeren Zusammenhang, so kann die Einheit nach außen als »[...] Staat in der Weltgemeinschaft in der Zeit der Globalisierung [...]« Zitat Papo als vollendet gesehen werden.
Die Bewertung des Erreichten geht weit auseinander, was auch oft an der eigenen Situation z. B. Arbeitslosigkeit oder neuen Wohn- und Lebenschancen gemessen wird. Zahlreiche Beiträge weisen auf angeglichene "Äußerlichkeiten" hin: sanierte Innenstädte oder neue Infrastrukturen, die im Gegensatz zu den kulturellen Unterschieden in den Köpfen stehen. Die "Mauer in den Köpfen" wird noch immer gesehen und mit persönlichen Erlebnissen belegt.
Vor allem die jüngeren Teilnehmer finden, dass die Einheit bereits vollzogen ist. »Der Begriff Einheit wird nicht mehr aktiv wahrgenommen, da sich das Gemeinschaftsgefühl im Unbewusstsein verankert hat. Nach fast zwanzig Jahren ist die "Einheit" Alltag und damit völlig normal.« Zitat woodbc
Auch geht es darum, dass sich die Menschen im Westen sich ungerecht behandelt fühlen: »[...] Nachdem nun viele Jahre Milliarden in die neuen Bundesländer geflossen sind, ein Ende ist nicht in Sicht, liegt die Infrastruktur im Westen am Boden. Für dringende Sanierungen ist kein Geld dar, die Strassen verkommen mehr und mehr zu Schlaglochpisten, öffentliche Einrichtungen sind marode oder müssen aus Geldmangel geschlossen werden. [...]« Zitat casa66
Finanzielle Unterstützungen wie der Solidaritätsbeitrag sollten überdacht werden. »Die Einheit wird dann vollendet sein, wenn nicht permanent Ansprüche auf Nachteilsausgleiche und deren Befriedigung egal welcher Art mit der Teilung begründet werden. [...]« Zitat FrankH:
MORGEN: Wann ist die deutsche Einheit erfolgreich beendet? Was ist noch zu tun?
Die meisten Beitragsschreiber setzen vor allem auf die kommenden Generationen. Für die jungen Menschen, die die Teilung Deutschlands nie wirklich erlebt haben, ist die Einheit schon "vollendet". »[...] Meine Generation, vielleicht sogar noch ein bisschen jünger, muss an den Schaltstellen der Macht in Politik und Wirtschaft angekommen sein. Für uns sind BRD und DDR Geschichte. [...]« Zitat JTB
Viele Beiträge nennen die Anerkennung der unterschiedlichen Sozialisation in Ost und West und die Angleichung von Renten und Arbeitslöhnen als Voraussetzung für eine echte Einheit. Einige Teilnehmer sehen die regionale Abgrenzung eher zwischen Nord-Süd als zwischen Ost-West. »Wenn nicht mehr nur über Unterschiede in Ost und West geredet wird, sondern auch über Nord und Süd, wenn nicht mehr die großen Unterschiede in der Rentenberechnung und bei Gehalt und Lohn bestehen.« Zitat henibe
Einige Teilnehmer weisen auch auf die Rolle der Medien hin, die das "Ossi-Wessi"-Thema immer wieder aufgreifen und so eine Normalität verhindern und die trennenden Elemente im kollektiven Gedächtnis. Überspitzt formuliert hat es Alocin: »Die deutsche Einheit ist dann vollendet, wenn die Super-Illu nicht mehr gekauft wird. [...]«
Ben findet verschiedene verbindende Anreize: »[...] Denkbar sind Anreize für Zivis, Azubis und Studenten, die einige Monate oder Jahre im anderen Landesteil leben. Denkbar sind [...] Anreize für interregionalen Vereins-, Schul- oder Städtepartnerschaften. Denkbar sind öffentliche Ost-West-Dialoge in den Großstädten. Viele recht preiswerte aber langfristig effektive Möglichkeiten sind denkbar. Das BMVBS könnte solche langfristigen Projekte anstoßen... und dadurch einiges an politischem Kapital gewinnen.«
Nun warten wir gespannt auf die nächsten Beiträge!
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Freundliche Grüße,
Daniela Riedel und Franziska Thiele
(Online-Moderation)
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